Mitten im Winter...

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Mitten im Winter...

„Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“ Albert Camus

 

Es ist gar nicht so leicht für mich, all das Geschehene in Texte zu verpacken. Es ist so vieles passiert. Positives, Negatives, Nervenzährendes, Emotionales, Freudiges, Hoffnungsvolles.

Es ist schwierig zu beschreiben, wie es mir nach dem einen Tag der alles veränderte, erging.

Rückblickend stelle ich fest, dass ich in den Tagen, Wochen, Monaten nach meinem Unfall in einer Art Vakuum gelebt habe. In einer Schneekugel. Diese kitschigen Staubfänger aus Glas, die so ziemlich jeder besitzt. In diesen Schneekugeln ist alles ruhig, friedlich, unschuldig, behütet - bis man sie schüttelt…

 

3 Wochen lag ich auf der Intensivstation. Diese Zeit war geprägt von Dingen, die ich mir gar nicht mehr vorstellen mag. Das Gefühl eines Schlauches, der einem durch die Nase bis in die Lunge geführt wird zum Beispiel. Da durch die hohe Querschnittslähmung auch die Atmung beeinträchtigt ist und ich auch nicht mehr richtig husten kann, musste mir immer der Schleim aus der Lunge gesaugt werden. Sehr unangenehm. Kann ich keinem empfehlen. Oder die CEPAP Atemübungen. Hier bekommt man eine Maske aufgesetzt und muss gegen einen Widerstand atmen. Leider bekam ich unter dieser Maske eine Panikattacke, hatte das Gefühl zu ersticken. Konnte sie aber nicht abnehmen, da ich mich ja nicht bewegen konnte.

 

Ich kann mich aber auch an viele schöne Momente erinnern. An den Tag, an dem ich das erste Mal meinen Arm anheben und meinem Bruder einen kleinen Teddybären entgegen schießen konnte. Den kleinen Bären habe ich heute noch.
An das Kirschen essen. Was wirklich lustig war. Denn ich konnte meine Hand noch nicht bis zu meinem Kopf bewegen und versuchte deshalb die Kirschen durch eine neu erlernte Wurftechnik in meinen Mund zu katapultieren. Trefferquote 1 zu 15. Die restlichen süßen Früchten lagen im Bett, darunter und kreuz und quer auf der Intensivstation verteilt. 

Oder an den einen Nachmittag, an dem ich das erste Mal ins Freie geschoben wurde. Meine ganze Familie war da. Es gab sogar Brötchen und Sekt. Ich wurde kurzerhand zum Buffet umfunktioniert. Das Gefühl der Sonnenstrahlen in meinem Gesicht, die frische Luft. Herrlich!

 

Dann wurde ich ins Reha Zentrum nach Bad Häring verlegt. Ich war voller Vorfreude, aber nicht wissend, was mich dort erwartet. Wie es mit mir weiter gehen wird. 

 

6 Monate wurde dies mein neues Zuhause. Mit kurzer Unterbrechung. Denn fiese Keime haben eine schlimme Entzündung in meinem Hals verursacht. Dort, wo Wochen zuvor noch alles fein säuberlich zusammengeschraubt wurde. So musste ich erneut operiert werden. Lag nochmal 2 Wochen auf der Intensivstation. Durfte weder trinken noch essen, da diese bösen Bazillen ein Loch in meine Speiseröhre gefressen hatten. Ja, das war schlimm, schmerzhaft und kräftezehrend. 

Dann wieder zurück. Nochmal auf Anfang. Durch den unfreiwilligen Abstecher in die Klinik habe ich die hart antrainierte Kraft wieder verloren.

Jetzt hieß es täglich trainieren. Alles neu erlernen. War ich glücklich, als ich mir das erste Mal wieder selbst die Zähne putzen konnte. Selbständig essen. Trinken. Mit der Fernbedienung umschalten. Nase kratzen. Schminken. Schreiben. Rollstuhl fahren. Anziehen. Der Moment, als ich mich das erste Mal flach auf dem Rücken liegend, durch eine spezielle Technik, aufsitzen konnte. Wochenlang haben wir das trainiert. Bis die Ellenbogen bluteten.

 

All diese Zeit während der Reha war es ruhig in meiner Schneekugel. Nie habe ich ernsthaft mit meinem Schicksal gehadert oder bin traurig über das gewesen, was mir zugestoßen war. Ich bin immer überzeugt davon gewesen, dass alles gut werden wird und dass es nicht so schlimm sei. War positiv, motiviert und guter Dinge.

 

7 Monate nach meinem Unfall kam ich nach Hause. Und dann wurde es unruhig in meiner kleinen heilen Welt. Ein Schneesturm zog auf. Die Realität holte mich ein. Erst Daheim wurde mir richtig bewusst, was eigentlich passiert war. Wie abhängig und auf Hilfe angewiesen ich plötzlich war. 

So viele Dinge, die ich nicht mehr tun konnte, so viele Orte, die unerreichbar wurden. Ich hatte keine Ziele mehr. Wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte und wer ich wirklich war. Ich fühlte mich oft alleine, nutzlos und traurig. Und zornig. Hatte Angst vor der Zukunft. Doch ich wusste auch, dass ich diese Gefühle zulassen, aber sie nicht Überhand nehmen durften. 

So begann ich herauszufinden, worin meine Stäken liegen und was ich immer noch machen konnte. Ich schaute nicht mehr in die Vergangenheit und auch nicht mehr darauf, was nicht mehr möglich war. Ich suchte neue Aufgaben, steckte mir Ziele.

 

So probierte ich in dieser Zeit viele Sachen aus und machte eine Art Selbstfindungsprozess durch. Ich beschäftigte mich intensiv mit dem Buddhismus. Darauf, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, mit sich im Reinen zu sein, innere Ruhe zu finden, das Schöne sehen zu können. Und ich begann zu malen. 

 

Fortsetzung folgt!

 

Alles Liebe,

Tina

 

Positiv denken  alleine reicht nicht. Wir müssen uns öffnen für eine Sichtweise des Lebens , bei der wir in wirklichem innerem Frieden sind mit allem, was ist – eine Sichtweise, bei der wir unsere gesamte Wahrnehmung auf das Schöne statt auf Probleme ausrichten.

 

Egal, wo im Leben du stehst und wie deine Ausgangssituation ist: Das Leben hält für jeden ganz individuelle Möglichkeiten bereit, ein vollkommen glückliches Leben zu führen. Aber auch dafür ist es an erster Stelle wichtig, dass du dich selbst erkennst.

 

Weil du Glück bist, Glück ausstrahlst und Glück anziehst!

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