Fernweh! Über das Reisen im Rollstuhl. London callin...

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Fernweh! Über das Reisen im Rollstuhl. London callin...

Es ist nirgendwo schöner als zu Hause! Aber doch verspüre ich immer wieder dieses Fernweh, diese Lust, Neues zu entdecken. Abenteuerlust. Sehnsucht nach neuen Eindrücken, Inspiration, lukullische Gaumenfreuden aus aller Welt erleben. Viele Eindrücke sammeln und den Horizont erweitern.

Dieses Gefühl hat mich mein Studium abbrechen lassen und mich um die halbe Welt geführt. Indien, Nepal, Malaysia, Australien. Nun ist es leider viel schwieriger geworden, mein Fernweh zu stillen. Besonders im Winter zieht es mich regelrecht in warme, tropische Gefilde. Sobald der erste Schnee fällt, würde ich am liebsten meinen Koffer packen und in den nächsten Flieger in Richtung Sonne und Wärme springen. So einfach ist das aber nicht. Nicht mehr. Das Reisen im Rollstuhl ist schwierig. Es erfordert viel Planung und auch eine gewisse Portion Mut und Überwindung. Auch wenn man alles bis ins Detail organisiert, vorab auf Barrierefreiheit checkt und Stunden mit Vorbereitungen verbringt, kann es zu bitteren Enttäuschungen kommen. 

 

Bei mir ist es so, dass ich daheim in meinen eigenen vier Wänden so gut wie selbständig bin. Alles ist an mich angepasst, alles so wie ich es brauche. Das Waschbecken unterfahrbar, die Dusche befahrbar, das Bett höhenverstellbar. Pullover, Hosen, Socken, alles an seinem Platz. Die Türen breit genug. Keine Stufen und Schwellen. In Hotels ist das nicht so. Auch wenn diese mit barrierefreien Zimmern werben, zu 100 Prozent passt es für mich so gut wie nie. Mal komme ich mit meinen Beinen nicht unter das Waschbecken und das Zähneputzen und Gesichtwaschen wird zur akrobatischen Höchstleistung. Oft schmücken dicke Teppiche die Zimmerböden und das Vorankommen wird zum fordernden Kraftakt. Die Betten so hoch oder so nieder, dass ein selbständiges Überwechseln unmöglich ist. Zu schmale Türen oder sogar Stufen im Zimmer. Es ist also jedes Mal spannend, was sich hinter einem vermeintlich barrierefreien Zimmer verbirgt. Ich muss hier aber auch hinzufügen, dass jeder Mensch mit Behinderung andere Bedürfnisse hat und es wahrscheinlich fast unmöglich ist, ein für jeden perfektes Hotelzimmer einzurichten.

 

Auch die Reise selbst ist oft mühsam und anstrengend. Als Rollstuhlfahrer braucht man natürlich Unterstützung, um in den Flieger zu kommen. Mit einem speziellen Rollstuhl wird man in den Flieger geschoben und dann von mehr oder weniger geschultem Personal, mehr oder weniger sanft auf den reservierten Platz gesetzt. Und da bleibt man dann bis zur Landung sitzen. Auch bei Langstreckenflügen. Bei Ankunft wird man dann vom Rollstuhlservice abgeholt. Wenn man nicht vergessen wird. Ist bei mir schon zweimal passiert. Und muss hoffen, dass der Rollstuhl den Flug heil überstanden hat. Denn leider werden diese oft nicht sehr sanftmütig behandelt, unsachgemäß zusammengeklappt und grob in den Laderaum geworfen. 

 

Auch wenn das nun alles etwas mühsam klingt, ich kann es einfach nicht lassen. Mein Fernweh muss ich einfach doch hin und wieder stillen und werde mit tollen Eindrücken und wunderbaren Erinnerungen belohnt.

 

So hieß es am 1. Mai für meinen Freund, meinen Bruder und mich „London calling“.

 

Ich liebe diese Stadt einfach! Den Flair, den Style, die Atmosphäre. Und besonders das kulinarische Angebot. Ich bin ein Feinspitz und esse für mein Leben gerne. Neues ausprobieren und inspirieren lassen. In London war ich schon oft. Im Rollstuhl war es nun das dritte Mal. Und ich kann diese Stadt wirklich jedem Rollstuhlfahrer empfehlen. Man kommt hier super zurecht, es ist sehr vieles barrierefrei. Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Pubs und Shops. Und das Beste, jedes Taxi verfügt über eine Rampe und man kann bequem im Rolli sitzen bleiben, um von A nach B zu gelangen. Diesmal blieben wir 3 Nächte. Hauptsächlich haben wir gegessen. Burger, Sushi und ähm Burger. Wir haben den Skygarden besucht. Dieser ist ein Muss, wenn man London von oben sehen will. Gratis Eintritt und eine spektakuläre Aussicht. Und wir waren im Musical König der Löwen. Hauptsächlich weil unsere Katzen Simba und Timon heißen. ;-)

Es war wirklich toll.

 

Und da meine Reiselust noch nicht gestillt ist, heben mein Freund und ich nächste Woche ab in Richtung Süden. Palmen, Strand und Wärme. 10 Tage Teneriffa’s Sonne auf den Bauch strahlen lassen, relaxen und Zeit für uns. Ich freue mich sehr und hoffe, dass alles gut klappt und das Zimmer passt. Ich werde berichten. ;-)

 

Alles Liebe,

Tina

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